Kuchenwerkstatt Amsterdam: die Einzigartigkeit feiern

Interview mit einer floralen Patissière

Wir verstehen, warum Nastasja Sadi sich nicht gerne in eine Schublade stecken lässt. Sie war viele Jahre Modeschöpferin, gestaltet die herrlichsten Blumenarrangements, die sie für ihren populären Instagram-Account fotografiert und backt bildschöne Torten, die in die ganze Welt geschickt werden. Der Weg von der Mode hin zu den Torten war für Natasja eine Option, die auf der Hand lag: Entscheidend war, dass sie zu den ultimativen Momenten im Lebens anderer Menschen beitragen kann. Wir sprachen mit ihr über Holländische Meistermaler in ihrem Umkreis, frische Blumeninspiration, Ingwer-Töpfe und über Erfolg.

Cake Atelier Amsterdam Exposé 21 Tollwasblumenmachen.de

KINDERTORTEN

Die erste Torte, die ich je gemacht habe, war für meinen Sohn. Der Kuchen hatte die Form eines Raumschiffes. Ein paar Jahre später habe ich eine Torte für meine Tochter mit einer Barbie gestaltet. Ihr Fondant-Kleid war voller schöner ausgestochener Blüten. Als ich im Internet auf die Suche nach weiteren Möglichkeiten ging, hat sich mir eine Welt eröffnet. Das war der erste Schritt von der Ausstechform zu lebensechten Zuckerblüten.

DAS EINZIGARTIGE

"Meine Kuchen waren auch bei anderen Müttern ein großer Erfolg, und ich habe schon bald am laufenden Band Zeichentrickfiguren produziert. Aber ich habe auch gemerkt, dass es mich eigentlich immer wieder zu den Blumen hinzieht. Und das war eigentlich dasselbe wie bei der Gestaltung von Mode, das Brautkleid bleibt das ultimative Kleidungsstück im Kleiderschrank. Dies gilt auch für Hochzeitstorten. Ich finde, es ist eine echte Ehre, mit einem einzigartigen Kuchen zu einem so ultimativen Moment beitragen zu können. Auch wenn man mir morgen eine Million Euro geben würde, würde ich mich trotzdem für diese Arbeit entscheiden. Ich mache es wirklich von Herzen."

"Auch wenn man mir morgen eine Million Euro geben würde, würde ich mich trotzdem für diese Arbeit entscheiden. Ich mache es wirklich von Herzen."

KUNST, DIE MAN ESSEN KANN

"Süß ist ein Teil unserer Sinneswahrnehmung, wir alle haben mehr oder weniger ein Verlangen danach. Genau wie das Bedürfnis nach Natur. Mit meiner essbaren Kunst schaffe ich eine besondere Kombination, einen verrückten Moment, der dich für kurze Zeit an einem anderen Ort entführt. Und ist es nicht außergewöhnlich, dass man es essen kann? Die meisten Kunstformen, denen man im Leben begegnet, kann man nicht mit den Geschmacksnerven genießen. In den Niederlanden spielt die Zuckerkunst noch keine so große Rolle, aber in anderen Ländern ist sie ein hoch geschätztes Handwerk. Meine Kuchen werden immer öfter ins Ausland verschickt, zu Kunden, die ich noch nie zuvor getroffen habe. Das ist wirklich etwas Besonderes: das Vertrauen, das ich bekomme und die Freiheit in meinem kreativen Prozess."

"Und ist es nicht außergewöhnlich, dass man es essen kann? Die meisten Kunstformen, denen man im Leben begegnet, kann man nicht mit den Geschmacksnerven genießen."

DER CHARAKTER DER BLÜTE

"Ich habe immer nur ein paar Sekunden, um ein Blütenblatt anzufertigen, bevor es an der Luft aushärtet. Also muss ich mir vorher genau überlegen, wie die Blüte aussehen soll und welchen Charakter sie hat. Für einige Blüten, wie Ranunkeln, brauche ich bis zu einem Dreiviertel-Tag. Andere habe ich in einer Viertelstunde fertig. Jedes Blatt wird von Hand mit Colourdust gefärbt – dazu wird Farbpulver in die Zuckerpaste gefegt. Wenn die Blüte fertig ist, schaue sie mir noch einmal an und runde ihren Charakter ab. Das Färben ist der schönste Teil des Prozesses, finde ich. Sogar eine weiße Blüte bekommt bei mir immer Farbe, wenn auch nur um anzuzeigen, dass sie kurz vor dem Welken ist. Jede Pfingstrose in einem Zuckerblumenstrauß, der nur aus Pfingstrosen besteht, hat ihren eigenen Charakter. Genau wie bei Menschen. Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Muttermale, seinen eigenen Charakter. Dadurch wird die Arbeit sehr spannend.”

HOLLÄNDISCHE MEISTER

"Das Rijksmuseum ist mit dem Fahrrad von meinem Haus aus gut zu erreichen und ich komme regelmäßig dorthin, um mir die Werke von Jan Davidszoon de Heem und Rachel Ruysch anzusehen. Ich finde es besonders außergewöhnlich, dass die Maler des 17. Jahrhunderts Blumen so realistisch dargestellt haben. Es ist inspirierend und nie langweilig, einfach zeitlos. Und man sollte nicht vergessen: In dieser Zeit waren die Blumen überhaupt nicht so einfach zu bekommen, wie wir es heute gewohnt sind. Oft haben sie auch auf den Bilder einige Stellen für Blüten freigelassen, um sie später zusammenzubringen. Es sieht aus wie ein Strauß, aber es ist ein Puzzle aus verschiedenen Jahreszeiten und Verfügbarkeiten. Immer wenn ich mir ein Bild ansehe, frage ich mich: Welchen Zeitrahmen hat der Maler in diesem Bild zu einem Moment verschmolzen? Wenn man in Amsterdam lebt, gehören Blumenstillleben eigentlich zum Alltag. Die Blumen, die so einfach zu kaufen sind, bis zum holländischen Licht, das durch die Fenster scheint."

BLAU UND WEISS

"Die Kombination von Blau und Weiß ist ein Klassiker. Mein erster großer Kauf war ein blau-weißer Ingwer-Topf aus Portugal, der seinen eigenen Sitz im Flugzeug bekam, so groß war er. Jedes Jahr zu meinem Geburtstag oder einem anderen schönen Ereignis kommt ein blau-weißes Stück dazu. Diese Vasen haben jede Woche die Chance, meinen Wochenendstrauß zu beherbergen. Ich fotografiere diese Komposition vor unserer schwarzen Kreidewand und platziere sie als meine Antwort auf die holländischen Meister auf Instagram.

Es hat irgendwie ein Eigenleben entwickelt und ist für viele Menschen der Grund, warum sie mir auf Instagram folgen. Zum Glück kann ich mich von den Erwartungen freimachen und bin als kreative Person zunehmend in der Lage, den Moment und die verfügbaren Produkte zur Essenz des kreativen Prozesses zu machen. Das Sonntags-Shooting ist ein wirklich persönlicher Einblick in meinen Gemütszustand und mein Leben. Die Blumen zeigen mein Gefühl und meine Geschmacksvorlieben in diesem Moment, und der Hintergrund, die Kreidewand, ist nicht nur eine Kulisse, sondern auch der Dreh- und Angelpunkt unserer Familie. Darauf stehen lauter Terminen und sie ist der Rahmen für gemütliche Abendessen mit Freunden. Ich verkaufe jetzt auch Prints der Blumensträuße in limitierter Auflage. Das macht so viel Spaß. Das meine ich, wenn ich sage, dass ich nicht in Schubladen denken will. Ich will alles tun: Kuchen, Kleider, Blumen, Fotografie, Drucken. Alles, was mich inspiriert!"