Petalon: Londoner Sträuße mit dem Rad liefern

Ring Ring, hier ist Ihr Strauß

Als die Londonerin Florence Kennedy 2013 ihr Unternehmen Petalon gründete, schloss sie damit eine Marktlücke. Ihre Absicht? Wunderschöne, bezahlbare, nicht allzu große Sträuße binden, die sich mit dem Fahrrad ausliefern lassen. Inzwischen hilft ihr Mann James im Geschäft und man kann Petalon zu den Adressen zählen, wenn es um unvergessliche Hochzeitsfloristik geht oder man an einem Workshop teilnehmen möchte. Wie es dazu gekommen ist, erzählen Florence und James Ihnen gerne selbst.

Petalon: Londoner Sträuße, geliefert mit den Rad Tollwasblumenmachen.de

Einen Traum verwirklichen

Florence erzählt: „Als ich mit Petalon begonnen habe, hatte mein Mann James gerade sein eigenes Fahrradgeschäft. Ich hatte einen festen Bürojob, aber ich wollte auch etwas für mich selbst tun und meinen eigenen Traum verwirklichen. Irgendwann ließ James meiner Chefin Blumen bringen, um sich für ihre Hilfe bei einer Geburtstagsüberraschungsparty für mich zu bedanken. Ich habe die Blumen gesehen und hatte Mitleid mit James, denn ich wusste, was er für dieses „Dankeschön” bezahlt hatte. Das hätte man echt besser machen können.” 

Fahrräder und Blumen

James: „Die Grundlage für die Geschäftsidee von Petalon war die Auslieferung der Blumen. Es gibt so viele gute Floristen und man kann mittlerweile fast überall Blumen zustellen lassen. Aber es ist oft kein zufriedenstellender Prozess für die Kunden und oft sind es dann auch nicht immer außergewöhnliche Sträuße. Und das ist wirklich schade. Wir waren davon überzeugt, dass wir aus dem etwas Originelleres machen könnten.”


Florence ergänzt: „Das Ausliefern kostet viel Geld. Logisch, denn man muss einen kleinen Transporter, den Fahrer, Geld fürs Parken und Benzin bezahlen. Darum geht es meistens auch um große Sträuße, denn bei einem kleinen Strauß stehen die Kosten für das Liefern und für die Blumen in keinem angemessenen Verhältnis. Also habe ich mich gefragt, wie man ganz besondere, kleinere Sträuße, zu einem niedrigeren Preis ausliefern könnte. Und während ich so darüber nachdenke, werden 150 Fahrradrahmen für James‘ Fahrradgeschäft in unserer Wohnung angeliefert. Da ist mir ein Licht aufgegangen.”

„Als ich über einen bezahlbaren Weg für das Ausliefern von Sträußen nachdachte und die Fahrräder von James sah, ist mir ein Licht aufgegangen.” 

Ein Start mit lange Tagen

„Beim Start von Petalon bin ich morgens um halb Vier aufgestanden, zum Blumenmarkt geradelt, hab mir den Fahrradanhänger mit Blumen vollgeladen, und bin wieder ein Stündchen zurückgefahren. Um 7 Uhr war ich dann an meinem Arbeitsplatz, um die Sträuße zu binden. Die habe ich dann mittags mit dem Rad ausgeliefert, und am Abend habe ich Mails zu den Lieferungen et cetera beantwortet. Also wirklich lange Tage. Nach eineinhalb Jahren bekam ich Hilfe von einem Fahrradkurier, denn das Geschäft ist langsam aber sicher gewachsen.”


Süchtig nach Straußkreationen

„Das gilt übrigens auch für meinen Geschmack und meine Fertigkeiten. Ich habe keine Ausbildung zur Floristin gemacht, aber weil ich jede Woche zwei neue Sträuße entworfen und umgesetzt habe, hat sich mein Stil weiterentwickelt. Das hat mit dem Experimentieren mit Farbkombinationen, Formen und Texturen zu tun und ist natürlich auch abhängig von der Jahreszeit. Nämlich davon, welche Blumen gerade erhältlich sind und ob sie robust genug sind, um eine kleine Radtour zu überstehen. Mein persönlicher Liebling ist dabei die Ranunkel. Ich liebe es, viele verschiedene und einzelne Blumen in einem Strauß zu verarbeiten, statt viele von einer Sorte. Die Idee hinter Petalon ist auch, dass man durch die Sträuße die verschiedenen Blumen kennenlernt und dass ein Strauß, in dem Blumen miteinander kombiniert werden, besser aussieht als einer, der beispielsweise nur aus Rosen besteht. Ich bin wirklich süchtig danach geworden, Sträuße zu entwerfen.“ 

„Die Idee hinter Petalon ist auch, dass man durch unsere Sträuße viele verschiedene Blumen kennenlernt.”  

Radkuriere und Flexibilität

„Ich mache jeden Montagmorgen zwei Beispielsträuße, die fotografiere ich und stelle sie auf unsere Webseite und in die sozialen Medien. Kunden entscheiden sich für einen der Sträuße und geben uns ihre Bestellung durch. Ich mache dann die Sträuße fertig, und um 12 Uhr kommen die Fahrradkuriere. Sie füllen die Rucksäcke und die Transporträder mit Blumen und fahren schließlich los, um die Sträuße auszuliefern. Für jeden Strauß spenden wir übrigens 1 £ für einen guten Zweck, nämlich für den Schutz und die Stabilisierung der Bienenpopulation. Dank der Fahrradkuriere, einem Office Manager, freiberuflich tätiger Floristen und James, der mithilft, muss ich nicht mehr alles selber machen. So konnte ich A) ein Kind in die Welt setzen und B) für Hochzeiten arbeiten, was ich sehr schön finde. Ich kann auch unsere Tochter mit zur Arbeit nehmen, dadurch bin ich sehr flexibel. Ich bin sehr glücklich damit, wie es jetzt läuft.”


James: „Meine Rolle ist die eines Buchhalters. Und ich helfe die großen Stellagen für die Hochzeits- und Event-Floristik anzufertigen. Ich kann sie bauen und mir ausdenken, wie man Arrangements an der Decke aufhängen kann. Die Gestaltung übernehmen dann die Floristen.“

Ein Rucksack voller Dahlien

Florence: „Wir bleiben auch buchstäblich in Bewegung. Am Anfang haben wir die Sträuße in Fahrradanhängern transportiert, aber die brauchen auf einem Radweg viel Platz. Darum fahren wir jetzt mit speziellen Transportfahrrädern und mit Rucksäcken, die unsere Freundin Katie für uns entworfen hat. Darin können alle Sträuße stabil stehen und werden somit nicht beschädigt werden. Die Blumen sind mit einem Wasserreservoir versehen und in einer Juteverpackung sorgfältig eingewickelt. Ich verwende jetzt zum Beispiel viele Pompon-Dahlien, die sind sowieso sehr stabil und vertragen so einiges. Gut verpackt kommen Sie dann in voller Schönheit bei unseren Kunden an.”


Die Stärke von Instagram

„Dass Petalon so gewachsen ist, haben wir teilweise auch den sozialen Medien zu verdanken - vor allem Instagram. Unsere Kunden haben dort Fragen zu den verwendeten Blumen gestellt, so dass es sich wirklich anfühlt, als wären wir Teil einer Community. Und die Menschen teilen ihre Fotos, so lernen auch ihre Freunde Petalon kennen. Und weil wir das wussten, sind wir diesen Weg auch mit unserer Hochzeitsfloristik gegangen. Auf unserem Instagram-Account mischen wir übrigens Arbeit und Privates. Es gibt da auch Fotos von unserer Tochter und unserem Hund. Das hat sich ein bisschen von selbst so entwickelt.“

Flowers Every Day

„Über Instagram ist auch eine Verlegerin an uns herangetreten, die mich gefragt hat, ob ich ein Buch machen würde. Für mich war das eine große Sache, denn ich war mir nicht sicher, ob ich dafür genug Erfahrung habe. Aber dann hat es mir unheimlich gut gefallen. Flowers Every Day hat mir auch geholfen, mein Gefühl für Blumen in Worte zu fassen. Beispielweise warum bestimmte Blumenkombinationen funktionieren, wie wir arbeiten und was mir gut gefällt. Einfach ein Riesenspaß.“


Gut als Leitfaden

„Unser Ausgangspunkt ist eigentlich immer: ‚Macht uns das Freude?’ Wir haben kein großes Haus auf dem Land. Wir sind nicht reich, aber das interessiert uns auch nicht. Lebensqualität ist das was zählt. Spaß haben. Und das gelingt uns sehr gut.“

James, schließt: „Meine Verbindung zu Blumen wird jedes Jahr enger (lacht). Am Anfang kamen die Blumen durch Florence in mein Leben, aber sie waren nicht unbedingt etwas, womit ich mich identifiziert habe. Aber je mehr sie Teil unseres Lebens geworden sind, unserer Umgebung, desto mehr fühle ich mich mit ihnen verbunden. Ich glaube, dass Blumen ein Teil unserer Familienlebens bleiben werden, und darüber bin ich äußerst glücklich.“

Mehr über Petalon?

Sehen Sie sich auch das Video über Petalon an und lesen Sie den Artikel über das Buch von Florence, Flowers Every Day.